Stellenanzeigen sind das Erste, was potenzielle Bewerberinnen und Bewerber von einem Unternehmen sehen. Sie entscheiden darüber, ob jemand scrollt oder klickt. Trotzdem lesen sich die meisten Stellenanzeigen so, als wären sie aus demselben Baukasten zusammengesetzt. Dynamisches Umfeld, flache Hierarchien, spannende Herausforderungen… man kennt die Formulierungen. KI kann dabei helfen, bessere Anzeigen zu schreiben, aber nur wenn man weiß wie es geht.
#1: Gib der KI ein konkretes Briefing statt einer vagen Aufgabe
Der häufigste Fehler beim Schreiben von Stellenanzeigen mit KI ist ein zu vager Einstieg. Wer ChatGPT einfach sagt „Schreib eine Stellenanzeige für einen Marketing Manager“, bekommt genau das, was man erwarten würde: einen generischen Text der auf jedes Unternehmen in jeder Branche passen würde. Das ist nicht das Ziel.
Je mehr Kontext du der KI gibst, desto besser wird das Ergebnis. Beschreib das Unternehmen, die Teamgröße, die Unternehmenskultur, die konkreten Aufgaben der Stelle und was die Person mitbringen soll. Erkläre auch, wen du nicht suchst, denn das hilft der KI genauso wie eine positive Beschreibung. Ein gutes Briefing dauert zehn Minuten und spart danach viel Nacharbeit.
#2: Beschreib die Stelle aus Sicht des Bewerbers und nicht aus Sicht des Unternehmens
Die meisten Stellenanzeigen sind aus der Perspektive des Unternehmens geschrieben: Was wir suchen, was wir erwarten, was wir voraussetzen. Das ist verständlich aber aus Bewerbersicht wenig einladend. Wer eine neue Stelle sucht, fragt sich zuerst: Was habe ich davon? Was lerne ich? Welche Probleme löse ich und für wen?
Bitte die KI ausdrücklich darum, die Anzeige aus der Bewerberperspektive zu formulieren. Was macht diese Stelle interessant? Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es? Warum lohnt es sich, für dieses Unternehmen zu arbeiten und nicht für die Konkurrenz? Dieser Perspektivwechsel verändert den Ton einer Anzeige grundlegend und spricht Menschen an, die nicht aktiv auf Jobsuche sind aber trotzdem wechseln würden, wenn das Richtige kommt.
#3: Vermeide den KI-Standardton aktiv
KI-generierte Stellenanzeigen haben einen wiedererkennbaren Ton: glatt, freundlich, vollständig und irgendwie leer. Das liegt daran, dass Sprachmodelle auf Wahrscheinlichkeit optimieren und deshalb Formulierungen wählen, die in vielen ähnlichen Texten funktioniert haben. Das Ergebnis klingt professionell aber austauschbar.
Gib der KI deshalb explizite Anweisungen zum Ton. Soll die Anzeige direkt und knapp sein? Soll sie eher persönlich und nahbar klingen? Soll sie die Sprache der Zielgruppe sprechen, also zum Beispiel eher technisch wenn du Entwickler suchst? Du kannst der KI auch ein Beispiel geben, das dir gut gefällt, und sie bitten, diesen Ton aufzugreifen. Je konkreter die Vorgabe, desto besser das Ergebnis.
#4: Lass die KI die Anforderungen auf das Wesentliche reduzieren
Eine der häufigsten Schwächen in Stellenanzeigen ist eine überlange Anforderungsliste. Zehn Muss-Kriterien, acht Nice-to-haves und drei Jahre Berufserfahrung für eine Einstiegsposition schrecken Bewerber ab, die eigentlich gut passen würden. Studien zeigen außerdem, dass lange Anforderungslisten Frauen überproportional davon abhalten, sich zu bewerben, weil sie dazu neigen, die Liste als vollständige Checkliste zu behandeln.
Bitte die KI darum, die Anforderungen auf die drei bis fünf wirklich entscheidenden Punkte zu reduzieren. Was muss jemand unbedingt mitbringen um den Job gut machen zu können? Was lässt sich in den ersten Monaten lernen? Diese Fragen helfen dabei, eine realistische und einladende Anforderungsliste zu formulieren, die mehr passende Bewerbungen anzieht statt weniger.
#5: Nutze KI um unbewusste Biases in der Sprache zu erkennen
Sprache transportiert unbewusst viele Signale darüber, wen sich ein Unternehmen als idealen Kandidaten vorstellt. Formulierungen wie „er übernimmt Verantwortung“ oder „ein junges dynamisches Team“ schließen Menschen aus ohne dass das beabsichtigt ist. Auch bestimmte Adjektive wie „durchsetzungsstark“ oder „belastbar“ sprechen statistisch gesehen bestimmte Gruppen mehr an als andere.
KI kann dabei helfen, solche Formulierungen aufzudecken. Bitte ChatGPT ausdrücklich darum, den Text auf ausschließende oder einseitig formulierte Sprache zu prüfen und Alternativen vorzuschlagen. Das ist einer der nützlichsten Einsätze von KI im HR-Bereich, weil er einen blinden Fleck adressiert, den viele Menschen bei sich selbst nicht wahrnehmen.
#6: Teste verschiedene Versionen für verschiedene Kanäle
Eine Stellenanzeige die auf der Unternehmenswebsite funktioniert, muss nicht dieselbe sein wie die die auf LinkedIn gepostet wird oder als gesponserte Anzeige auf Instagram läuft. Jeder Kanal hat eine andere Zielgruppe, ein anderes Nutzerverhalten und andere formale Anforderungen. LinkedIn-Nutzer lesen anders als jemand der über eine Google-Suche auf eine Karriereseite landet.
KI macht es einfach, aus einer Grundversion schnell mehrere kanalspezifische Varianten zu erstellen. Gib der KI die fertige Anzeige und bitte sie, eine kürzere Version für Social Media zu schreiben, eine prägnante Version für Jobbörsen und eine ausführlichere Version für die eigene Karriereseite. Das kostet kaum Zeit und erhöht die Chance deutlich, die richtigen Menschen auf dem richtigen Kanal zu erreichen.
#7: Lass einen Menschen aus der Zielgruppe drüberschauen
KI kann viel, aber sie weiß nicht wie sich eine Stellenanzeige für jemanden anfühlt, der genau in dieser Zielgruppe sitzt. Eine technisch einwandfreie Anzeige für Softwareentwickler kann trotzdem an der Community vorbeigehen, wenn die Sprache zu steif ist, falsche Technologien nennt oder Dinge verspricht, die in der Branche als unglaubwürdig gelten.
Bitte deshalb nach der KI-Optimierung immer jemanden aus der Zielgruppe um Feedback. Das kann eine Kollegin aus der Fachabteilung sein, ein befreundeter Entwickler oder jemand der selbst kürzlich auf Jobsuche war. Diese Perspektive kostet nichts und liefert Hinweise, die kein Algorithmus geben kann. KI optimiert auf Muster, Menschen optimieren auf Gefühl, und bei einer Stellenanzeige braucht man beides.
Fazit: KI schreibt bessere Stellenanzeigen wenn du ihr sagst was gut ist
KI ist kein Automat, der auf Knopfdruck die perfekte Stellenanzeige liefert. Sie ist ein Werkzeug das so gut wird wie die Anweisungen, die man ihr gibt. Wer ihr ein vages Briefing gibt, bekommt eine vage Anzeige. Wer ihr konkreten Kontext, eine klare Zielgruppe und explizite Qualitätskriterien mitgibt, bekommt einen Text, der als Ausgangspunkt wirklich funktioniert.
Die sieben Tipps in diesem Artikel folgen alle demselben Grundprinzip: KI leistet die Formulierungsarbeit, der Mensch liefert die Strategie dahinter. Diese Kombination ist stärker als jede der beiden Optionen allein und führt zu Stellenanzeigen, die nicht nur korrekt sind sondern auch Menschen ansprechen, die ihr Unternehmen wirklich voranbringen.